Siegfried Gunkel – Ein Leben für Engelsdorf

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Siegfried Gunkel – Ein Leben für Engelsdorf

»Vom Fuhrunternehmer zum GemeinderatSiegfried Gunkel (1924-2018) war ein Mann, der die Herausforderungen der DDR-Zeit als selbstständiger Fuhrunternehmer meisterte und nach …

Alexander Ondruschka 4. August 2024

»Vom Fuhrunternehmer zum Gemeinderat
Siegfried Gunkel (1924-2018) war ein Mann, der die Herausforderungen der DDR-Zeit als selbstständiger Fuhrunternehmer meisterte und nach der Wiedervereinigung auch im Ruhestand unermüdlich für seine Gemeinde tätig war. Mit 66 Jahren, im Jahr der Wiedervereinigung, ging er offiziell in den Ruhestand. Doch wer ihn kannte, wusste, dass dies für ihn kein Grund war, sich zurückzuziehen. Im Gegenteil: Sein Engagement für Engelsdorf sollte erst richtig beginnen.


»Ein Mann der Worte und Taten
Nach seiner Pensionierung wurde Gunkel Mitglied des Gemeinderates und machte sich schnell einen Namen als Alterspräsident, Vorsitzender des Bauausschusses und Marktleiter. Viele erinnern sich noch an seinen markigen Spruch: »Volker (Zocher), ich will Kräne sehen in Engelsdorf«. »Siggi«, wie er liebevoll genannt wurde, war aber nicht nur ein Mann der Worte, sondern vor allem der Taten.

Erster Engelsdorfer Markttag mit Siegfried Gunkel, 08.08.1990
Erster Engelsdorfer Markttag mit Siegfried Gunkel, 08.08.1990

»Gründung des Engelsdorfer Marktes
Ein eindrucksvolles Beispiel für sein pragmatisches Handeln ist die Gründung des Marktes in Engelsdorf im Jahr 1990. Aus der Not der vertraglich gebundenen Tierzüchter, deren Verträge vom Staat gekündigt wurden, entstand dieser Markt, der am 8. August vor der Kaufhalle in der Arthur-Winkler-Straße (heute NORMA) eröffnet wurde. Bereits am ersten Tag wurden innerhalb von 2,5 Stunden drei geschlachtete Schweine verkauft – trotz 30°C im Schatten. Doch das rief sofort die Hygienebehörde auf den Plan, der Fleischverkauf musste eingestellt werden. Gunkel und seine Mitstreiter fanden schnell eine Lösung.


»Ein Markt für die Gemeinschaft
Der Markt entwickelte sich langsam, fand aber regelmäßig einmal in der Woche statt. Gunkel wusste um die Bedeutung eines breiten Angebots und motivierte viele Händler mit handgeschriebenen Dankesbriefen und persönlicher Anerkennung. So verkauften einige Engelsdorfer direkt aus dem Kofferraum, andere brachten Tapeziertische und Sonnenschirme aus dem Garten mit. Sogar seine Tochter konnte er überreden, die Süßkirschen aus dem eigenen Garten zu verkaufen. Besondere Tage wie Ostern, Weihnachten und Marktjubiläen wurden immer groß gefeiert.

Engelsdorfer Markt mit Marktleiter Siegfried Gunkel (rechts) und Bürgermeister Volker Zocher (2.v.r)
Engelsdorfer Markt mit Marktleiter Siegfried Gunkel (rechts) und Bürgermeister Volker Zocher (2.v.r)

»Das Engelsdorfer Wäldchen
Neben seiner Tätigkeit als Marktleiter war Gunkel auch maßgeblich an der Entstehung des Engelsdorfer Wäldchens am Wasserturm beteiligt. »Wo Muttis mit dem Kinderwagen spazieren gehen können«, war sein erklärtes Ziel. Er organisierte den Vertrag für das Land, besorgte 16.000 Bäume und mobilisierte Vereine, Firmen und Schulen zur Mithilfe. Ein Höhepunkt war die Segnung des Waldes durch Pfarrer Sachse.

»Ein bleibendes Erbe
Gunkel war ein Visionär, der sich unermüdlich für seine Heimat einsetzte. Auch wenn einige seiner Projekte durch die Eingemeindung nach Leipzig gestoppt wurden, wie die geplante Erweiterung des Waldes oder das Ortszentrum auf dem ehemaligen Bergschen Hof (schräg gegenüber der St. Gertrud-Kirche), so hat er doch einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Ein lebendiges Zeugnis seines Engagements ist das vier Hektar große Engelsdorfer Wäldchen, das bis 1999 entstand und heute wieder im Fokus des Ortschaftsrates steht. Aktuell wurde der Rastplatz am Waldrand mit Brauchtumsmitteln erneuert und die Idee Gunkels mit den Baumstammbänken wieder aufgegriffen.


»Eine Straße für Maximilian Kolbe
Ein weiteres Beispiel für Gunkels Weitblick und Engagement war sein Vorschlag zur Benennung einer Zufahrtsstraße, die im Zuge des Baus des Caritas-Altenpflegeheims und der angrenzenden Reihenhäuser an der Althener Straße entstanden war. Gunkel setzte sich dafür ein, den als Zufahrtsstraße ausgebauten Feldweg nach Maximilian Kolbe zu benennen. Kolbe war ein polnischer Franziskanermönch, der im Konzentrationslager Auschwitz für einen Mithäftling in den Hungerbunker ging und dort ermordet wurde. Seit seiner Heiligsprechung durch Papst Johannes Paul II. wird er als Märtyrer verehrt.

»Ein ehrendes Gedenken
Am 21. Februar 2024 wäre Siegfried Gunkel 100 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass wurde ihm zu Ehren am Gymnasium Engelsdorf eine Stadtlinde gepflanzt. Bei der kleinen Feier waren neben Vertretern der Familie auch Mitglieder des Ortschaftsrates anwesend.

Baumpatenschaft Siegfried Gunkel, 2024 Engelsdorf
Baumpatenschaft Siegfried Gunkel, 2024 Engelsdorf


Vielleicht ist es an der Zeit, das Engelsdorfer Wäldchen offiziell in “Siegfried-Gunkel-Wald« umzubenennen, um das Andenken an einen Mann zu ehren, der so viel für Engelsdorf getan hat.

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