Wer im Netto-Markt an der Diamantstraße 2 regelmäßig Brötchen, Kuchen oder einen Kaffee kauft, hat die Nachricht möglicherweise bereits gehört: Die Traditionsbäckerei Lampe hat Insolvenz angemeldet. Für die Kundinnen und Kunden in Engelsdorf gibt es jedoch zunächst Entwarnung. Die Filiale bleibt geöffnet und der Verkauf läuft weiter.
Das Familienunternehmen aus dem thüringischen Roßleben-Wiehe betreibt nach eigenen Angaben 44 Filialen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Rund 280 bis 300 Mitarbeiter sind beschäftigt. Auch die elf Standorte in Leipzig und Umgebung werden während des laufenden Insolvenzverfahrens weitergeführt.
Geschäftsführer Steffen Lampe begründet den Schritt mit deutlich gestiegenen Kosten für Energie, Personal und Rohstoffe sowie einer zurückhaltenden Kaufbereitschaft vieler Kunden. Das Unternehmen wolle die Insolvenz nutzen, um sich wirtschaftlich neu aufzustellen und langfristig zu sichern.
Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Rüdiger Bauch bestellt. Nach seinen Angaben laufen Produktion und Verkauf an allen Standorten weiter. Ziel des Verfahrens sei es, das Unternehmen zu stabilisieren und eine tragfähige Zukunftslösung zu entwickeln.
Der Fall zeigt zugleich, unter welchem Druck viele Handwerksbäckereien inzwischen stehen. Steigende Kosten, Fachkräftemangel und die Konkurrenz großer Handelsketten belasten die Branche seit Jahren. Hinzu kommt, dass immer mehr Kunden auf günstige Backstationen im Lebensmitteleinzelhandel ausweichen.
Bereits vor wenigen Wochen war das Unternehmen nach einem Brandanschlag auf eine Filiale in Leipzig-Lindenthal in die Schlagzeilen geraten. Nach bisherigen Angaben stehen die wirtschaftlichen Probleme jedoch nicht im Zusammenhang mit diesem Vorfall.
Für die Kundschaft in Engelsdorf bleibt damit vorerst alles beim Alten. Die Insolvenz bedeutet nicht das Ende des Unternehmens, sondern den Versuch, eine Zukunft für die Traditionsbäckerei zu sichern, bevor die wirtschaftlichen Herausforderungen unüberwindbar werden.